Bei Traumapatienten

Fachlich spricht man von einem Trauma, wenn etwas passiert, etwas Unbegreifliches, was die Seele und der Körper nicht bewältigen können. Symptome eines Traumas sind: Hilflosigkeit, Ohnmacht, Angst, Konzentrationsverlust, Erschütterung des Selbst-und Weltverständnisses, innere Bilder, die den traumatisierten Menschen immer wieder in die traumatisierende Situation zurückversetzten. Bei Traumaopfern entsteht so ein seelisches und körperliches Ungleichgewicht und in der Konsequenz Handlungsunfähigkeit. Es handelt sich um eine Art „Schockgefrorensein“ ohne Ausweg aus dem Leiden: „Versteinert aus Angst und Trauer“! Dies kann in einer Trauma-Therapie zu Behandlungsproblemen führen: Das Hilfsangebot des Therapeuten kann in dieser Phase, in diesen Momenten und Zuständen, Stress erzeugen. Sich erklären zu müssen, jemandem Fremden etwas sagen zu sollen, was völlig diffus und unkontrollierbar Körper, Geist und Seele beherrscht, überfordert häufig. Unkontrollierbar und durch Schlüsselreize ausgelöst kommt es immer wieder zu sogenannten „Flashbacks“. Es ist eine Art Kurzschluss im Gehirn passiert! Die traumatische Erfahrung wird im impliziten Gedächtnis, sprich im „Gefühlsged.chtnis“ abgespeichert und ist dem Bewusstsein und somit der Versprachlichung nicht unmittelbar zugänglich. Traumatisierte erinnern sich daher in den meisten Fällen an zusammenhangslose Bruchstücke der traumatischen Erfahrung. Parallel dazu erleben sie Farben, Formen und Gefühlszust.nde, die keine Chronologie und somit keine ausreichende Kontrollierbarkeit ermöglichen. Auch entsteht bei der Wiedergabe Peinlichkeit und Scham, wegen der Unfähigkeit, den chronologischen Ablauf zu erläutern.

Es gibt gute und erfolgsversprechende Techniken, die heutzutage in der Traumatherapie eingesetzt werden, um traumatisierten Menschen zu helfen, doch meist steht Sprache im Vordergrund. Daher gestaltet sich die erste Zeit der Therapie oft zäh, der Traumatisierte ist stark gefährdet, in Intrusionen zu verfallen. Und damit kommen wir zu einem speziellen Behandlungsproblem bei Traumata: Das zwischenmenschliche Hauptkommunikationsmittel ist nun einmal die Sprache, welche jedoch einem traumatisierten Menschen oft in seiner Funktion als Mitteilungsmedium stark überfordert. Formulierungen, wie “stumm vor Schreck, sprachlos vor Angst“ zeigen, dass die in der menschlichen Entwicklung höchste Form der geistigen Entwicklung nicht immer zur Verfügung steht. Das Trauma hat dem Traumatisierten im wahrsten Sinne des Wortes die Sprache verschlagen. Er fällt bezogen auf sein Trauma in eine Entwicklungsphase der „Sprachlosigkeit“ zurück, wie in seiner Säuglingszeit! Die traumatischen Erfahrungen werden "bedeutungslos" in den Körper "eingeschrieben" und können daher nicht in das Bewusste integriert werden. Und oft können dann diese körperlich eingravierten und nicht verwörterbaren Erfahrungen zunächst nur in körperlichen und emotionalen Zuständen einen Ausdruck finden. Zum Beispiel in Gefühlen, in Bildern, in Farben, in Körperempfindungen,in Bewegungen.

 

Lösung für die gerade dargestellte Problematik bei der Behandlung von Traumapatienten kann die Hinzunahme der tiergestützte Therapie sein. Dies mit dem Ziel, den Traumatisierten schnellstmöglich aus seinem „motorisch-psychischen Schockzustand“ zu befreien. Bei der Integration eines Tieres in die therapeutische Behandlung wird das Tier zum Co-Therapeuten des Behandlers. Tiere können im Menschen ursprüngliche Primärprozesse wecken und frühkindliche, non-verbale Schichten des seelischen Erlebens ansprechen und den Traumapatienten dort erreichen und abholen, wo er „feststeckt“. Dadurch findet der Mensch Zugang zu seinen impliziten Potenzialen (d.h. zu gespeichertem Erleben, welches dem Bewusstsein nicht zugänglich ist, wie z.B. ein Trauma/unbewusster Konflikt) und kann sie mit explizit-kognitiven Modi verknüpfen und somit begreifen. Zudem kann der Mensch Erfahrungen mit den Tieren auf den Umgang mit - und die Beziehung zu Menschen übertragen. Aus diesem Grundgedanken heraus entwickelte sich die Idee der Integration der tiergestützten Therapie in die Traumatherapie! Denn das Tier holt den Patienten an der Stelle ab, an der ihn das traumatische Ereignis hat stehen lassen. Zudem handeln Tiere instinkthaft und sind sehr einfühlsam, wie nah und vertraut sie ihrem Interaktionspartner gegenübertreten möchten und dürfen.

 

Vor allem bei Traumapatienten, die Erfahrungen mit Grenzüberschreitung, polizeilicher Aufforderung der Tatschilderung und weiteren Überforderungen machen mussten, ist das instinktive und feinfühlige Interaktionsangebot eines Tieres, eine erste Chance, aus der „Schockstarre“ herauszufinden.

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